Zu meiner Person

Hier finden Sie biographische Daten zu meiner Kindheit und Jugend, zu meinem Studium und zu beruflichen Tätigkeiten, zu meinem politischen Engagement und zu meinem Leben in Ecuador.

Kindheit und Jugend

Ich bin 1953 als "Laune der Natur" zur Welt gekommen und wurde mit Arm- und Beinstümpfen geboren. Mit drei Jahren wurden mir die ersten Beinprothesen verpasst: die von mir nie gewünschten Normalisierungsversuche hatten begonnen.
Im katholischen Triengen habe ich den Kindergarten und die Primarschule besucht. Nach der sechsten Klasse kam ich ins Gymnasium nach Beromünster, wo eben ein kleines Heim für Studentinnen eröffnet worden war. Dauerndes Mobbing durch den Lateinlehrer machte einen Wechsel unumgänglich: in Fribourg an der Academie Ste. Croix machte ich fünf Jahre später die Matura. Am Abend nach der Maturafeier habe ich die Prothesen (Download PDF-Datei: "werft die Prothesen weg!") definitiv ausgezogen; sie wurden später im Sondermüll verbrannt.

Studium

Nach der Matura begann ich an der Universität Fribourg mit dem Pädagogikstudium; Nebenfach Journalistik. Weil in der Pädagogik hauptsächlich der verhaltenstherapeutische Ansastz gelehrt wurde, konzentrierte ich mich ausschliesslich auf die Journalistik und schloss 1978 mit dem Diplom ab. Ich träumte davon, als Medienpädagogin zu arbeiten, musste jedoch realisieren, dass ich diesen Beruf ohne Assistenz nicht ausführen kann, weil mir die motorischen Möglichkeiten für den Umgang mit Videogeräten, Monitoren, Kameras usw. fehlen. In Zürich studierte ich anschliessend Psychologie, Pädagogik und Heilpädagogik und schloss 1983 mit dem Lizentiat ab. Dieses zweite Studium finanzierte ich mir als freie Journalistin bei Radio DRS (politische Satire, gesellschaftliche Themen). Parallel zum Psychologiestudium unterzog ich mich einer sechs jährigen jung'schen Lehranalyse und bildete mich aus in Astrologie.

Politisches Engagement

Ein Freund wurde wegen politischer Militär-Dienst-Verweigerung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Prozess - eine Farce - war ein wichtiger Moment meiner politischen Entwicklung. Schon bald erkannte ich, dass ich selber einer doppelten Diskriminierung unterliege, der als Behinderte, und der als Frau. Ich war in der Behindertenselbsthilfebewegung aktiv. Von 1976-1980 amtierte ich als Präsidentin der schweizerischen Selbsthilfebewegung CeBeeF (Club Behinderter und ihrer FreundInnen).
In Fribourg gründeten wir die kantonale Sektion der FBB (Frauenbefreiungs-bewegung). Neben feministischer Theorie und Praxis setzte ich mich intensiv mit der Frankfurter-Schule auseinander. Seit 1990 engagiere ich mich aus persönlicher Betroffenheit gegen Eugenik, gegen die Gen- und Reproduktionstechnologie. Vier Jahre lang war ich Vorstandsmitglied der Nogerete (Nationale feministische Organisation gegen Gen- und Reproduktions-technologie). Sechs Jahre arbeitete ich intensiv bei der FraP! (Frauen macht Politik!) Zürich mit und kandidierte auf deren Liste zweimal für den Nationalrat.

Beruf

Bevor ich meine Lizentiatsprüfung machte, begann ich mit astrologischen Beratungen. Es zeigte sich, dass Menschen längerfristig und regelmässig meine Begleitung wünschten. Ich eröffnete eine Praxis als Psychotherapeutin und supervisierte schon bald TherapeutInnen, die mit Menschen mit Lernschwierigkeiten (Menschen mit geistiger Behinderung) arbeiteten.
Da viele meiner KlientInnen in ihrer Kindheit von sexueller Gewalt betroffen waren, wurde ich im Verlauf der Jahre zur Spezialistin in diesem Thema.
1991 sprach ich erstmals öffentlich das Thema der sexuellen Ausbeutung von Frauen mit Behinderung an. Aufgrund dieses Referates hat die damalige österreichische Frauenministerin, Johanna Dohnal, zum ersten internationalen Symposium eingeladen. Das erschreckende Ausmass von sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung wurde erahnbar.
Gemeinsam mit Erika Pircher (www.genderlink.com) habe ich in Dohnal's Auftrag die weltweit erste problem- und handlungsorientierte Forschungsprojekt zum Thema realisiert. Aufgrund meiner Studien erlangte ich an der Universität Zürich 1997 die Doktorwürde.

Seit vielen Jahren biete ich Professionellen in Institutionen Weiterbildungen zu diesem Thema an und halte an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen Europas Vorlesungen. Eine der wichtigen Präventionsmassnahmen ist eine glücklich gelebte Sexualität der Erwachsenen in Institutionen; deshalb führe ich auch Weiterbildungskurse für die Sexualaufklärung von Menschen mit Lernschwierigkeiten durch.
Diese Weiterbildungen und die Supervisionen zur strukturellen Gewalt in Institutionen biete ich weiterhin an, nach dem ich 1997 meine Praxis als Psychotherapeutin geschlossen habe.

Kunst

FotoAls Mitarbeiterin der Drehbuchgruppe und als Portaitierte (gemeinsam mit meinem damaligen Ehemann) wirkte ich im 1977 realiserten Dokumentarfilm "Behinderte Liebe" von Marlies Graf mit.

In drei verschiedenen Rollen arbeitete ich 1981 im Film "Freak Orlando - Kleines Welttheater in fünf Episoden" von Ulrike Ottinger in Berlin mit.

In mehreren Workshops und in einer mehrwöchigen Ausbildung bei Alito Alessi wurde ich in die Welt des Danceability (www.streamcommunication.com/danceability) eingeführt. Diese Tanzart, von Alessi auf der Basis von Kontaktimprovisation weiterentwickelt, schliesst niemanden aufgrund irgendwelcher Begrenzungen aus. Am Performancefestival "Im Puls Tanz" in Wien bin ich zusammen mit Daniel Aschwanden (www.thing.at/bilderwerfer) und Steve Paxton im "Crash Landing" aufgetreten.

Im getanzten Theater "Laune der Natur" vom "Theater marie" habe ich zusammen mit Stine Durrer, Salome Schneebeli, Alito Alessi und Erich Hufschmied unter der Regie von Christine Rinderknecht und Heinz Gubler gespielt und getanzt.

Bei Alain Valade in Paris habe ich Kurse zum Bereich "Stimme und Psyche" besucht und zum Teil mitgeleitet.
Hadwig Guggenbühl hat mich während drei Jahren in den klassischen Gesang eingeführt. Bei Tamia Favre (Paris) genoss ich zudem eine Ausbildung in Stimmimprovisation und bei Franziska Gohl in Rhythmus.

Auswanderung und Leben in Ecuador

FotoZwei Jahre lang hatte ich diesen Schritt vorbereitet, im September 1997 war es soweit: auf einem Gelände in San Pablo (ca. 80 km nördlich von Quito) hatte ich ein verfallenes Gebäude renovieren lassen, und ein Adobehaus erstellt. Adobe sind Ziegel aus Erde, vermischt mit kleingehacktem Paramo-Gras und Wasser, luft- und sonnengetrocknet.
Hier konnte ich verwirklichen, was mir in Europa nach wie vor unmöglich wäre:
Mit der Unterstützung von Jorge Echeverría, einem kompetenten Architekten, ist ein wunderschönes Werk entstanden, das für meine speziellen Bedürfnisse bis ins letzte Detail ausgeklügelt ist und mir somit grösstmögliche Selbständigkeit gibt, wie ich sie noch nie in meinem Leben hatte.

Foto Auf meinem Gelände leben drei Angestellte mit ihren Kindern. Zwei Hunde, Enten und ein Gänsepaar, Hühner, mehrere Bienenvölker, Fische, Frösche und Kröten, wunderschöne Vögel, viele Libellen und nachts Glühfliegerchen beleben meine Umgebung. Der biologische Gemüse- und Blumengarten ist als Labyrinth angelegt. In vier Teichen sammelt sich das Regenwasser, mit dem wir in der Trockenzeit den Garten bewässern, der viele ernährt.



Aussichten

Als Auslandschweizerin bin ich betroffen von verschiedenen Entwicklungen:
Einerseits ist Ecuador politisch und ökonomisch in einer sehr misslichen Lage, heimgesucht von einer über 300% Inflation, massiv angetrieben durch die Dollarisierung.
Andererseits will die Schweiz auf Ende 2002 für Menschen mit Behinderung, die nicht im Heim leben, die Hilflosenentschädigung durch Assistenzleistungen ersetzen. Das ist löblich, aber gilt leider nicht für alle. Es scheint, als zürne der Staat speziell mit uns behinderten AuslandschweizerInnen, soll doch die Hilflosenentschädigung ersatzlos gestrichen werden.
Soll dem so sein, werde ich wohl gezwungen sein, mich wieder in der Schweiz niederzulassen.
Ironie des Schicksals: ich bin vor Jahren ausgewandert unter Anderem, weil mir künftig ein selbstbestimmtes Leben mit Assistenz in der Schweiz finanziell nicht möglich gewesen wäre. Andererseits hat das Bundesamt für Sozialversichrung BSV beschlossen, weder Hilflosenentschädigung, noch Assistenzgelder, noch Hilfsmittel ins Ausland zu transferieren. Dieser Entschluss hat mich gezwungen, mich wieder in der Schweiz niederzulassen.

Im August 2003 habe ich in Basel eine für mich speziell umgebaute Wohnung bezogen in einem hundertjährigen Haus mit toller Eigentümergemeinschaft.

Wie lange ich mein Gelände in Ecuador noch halten kann, wird sich zeigen.

Mein Leben ist eine "Karawanserei".

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